Der Browser – oder besser gesagt, das Web – war für mich viele Jahre eher der Ort des Lesens kurzer Texte, bzw. das Überfliegen Längerer. Viel gelesen habe ich eher nicht. Das Netz war der Ort des Erfassens schneller kurzer Informationen. Dies hat sich für mich dank Safaris Readerfunktion und vor allem Instapaper mächtig geändert.
Wir werden abgelenkt
Das Problem beim Lesen längerer Texte im Netz hat zwei Ursachen und beide beruhen auf Ablenkung. Die eine ist Werbung. Viele Webseiten bauen vor allem Bannerwerbung in Ihre Seiten ein. Und dies nicht zu knapp. Und ob wir wollen oder nicht. Dies lenkt uns beim Lesen ab. Hat den Werbetreibenden eigentlich niemand erklärt, dass diese Form der Werbung, vor allem in dem Umfang, in dem sie betrieben wird, eine eher kontraproduktive Wirkung hat – zumindest auf Seiten in denen es in erster Linie um das Lesen geht? Die zweite Ablenkung tritt – dank vorgefertigter Blogtemplates – angenehmerweise nicht mehr so häufig auf und das wäre schlechtes Design einer Webseite. Auf quitschbunten Seiten mit geschmacklich eigenwilligem Layout lässt sich nunmal nicht gut lesen.
Instapaper und der Reader umgehen diese Problematik, indem Sie mir eine völlig ablenkungsfreie Leseumgebung bereitstellen.
Instapaper
Instapaper ist bereits seit einiger Zeit erhältlich. Erhältlich ist eigentlich das falsche Wort. Instapaper ist ein Webdienst, der es ermöglicht, den reinen Textanteil einer Webseite zu speichern und über die Instapaper Webseite in einem einheitlichen Textlayout zur Verfügung stellt. Alle mit Instapaper gespeicherten Texte sehen also gleich aus. Dadurch ist das Lesen – insbesondere langer Texte – ein wahres Vergnügen geworden. Praktischerweise stellt der Entwickler von Instapaper auch gleich die passenden Anwendungen für iPhone und iPad bereit. Die Texte werden online synchronisiert, so das man immer wieder bei der zuletzt gelesenen Textstelle in einem Artikel landet, egal auf welchem Gerät man zur Zeit liest.
Der Reader in Safari
Mit Safari 5 ist einen neue Funktion hinzugekommen – der Reader. Der Reader funktioniert in seiner Anwendung ähnlich wie Instapaper, allerdings wird der Textinhalt nicht neu gespeichert, sondern Safari erzeugt ein Overlay mit dem reinen Artikelinhalt der geöffneten Webseite (Bilder inklusive). Die Webseite selbst wird abgedunkelt. Die Funktion kann rechts im Adressfeld von Safari durch Klicken auf Reader angewählt werden. Auch hier wird die Ablenkung auf nahezu Null reduziert.
Verändertes Leseverhalten
Beide – Instapaper und Reader – haben mein Leseverhalten im Netz stark geändert. Wo ich früher nur überflogen habe, suche ich jetzt gezielt nach Themen, welche mich interessieren. Habe ich Zeit, lese ich den Artikel sofort im Reader, ansonsten schicke ich ihn rüber zu Instapaper und lese ihn später. Manchmal auch erst einige Tage später. Nicht jeder gute Artikel hat schliesslich einen Bezug zum aktuellen Tagesgeschehen.
Und die Werbetreibenden
Nun, die haben tatsächlich ein Problem. Dieses ist allerdings selbstverschuldet, indem sie der Meinung waren, dass sie die Aufmerksamkeit um jeden Preis Taktik, die im Fernsehen und Print über viele Jahre funktionierte, auch im Netz durchsetzen wollten und scheinbar immer noch wollen. Aber Werbung im Netz funktioniert anders und basiert auf anderen Kriterien, wie zum Beispiel Vertrauen und Glaubwürdigkeit der Seite oder einer Person selbst. Hier wird der Bereich des Sponsoring eine weitaus grössere Rolle annehmen, als den Verantwortlichen heute schon klar ist. Aber evtl. setzt ja auch hier bald ein Denkprozess ein. Nur über eines sollten sich die Werber klar sein. Die hohen Gewinne der Vergangenheit könnten eventuell vorbei sein.
