Ich bin recht spät zum Computer gekommen. Den Mac habe ich zum ersten Mal gesehen, als ich mein Studium zum Toningenieur an der SAE begann. Davor war ich Gitarrist in einer Heavy Metal Band. In meinem Gitarrenkoffer lag eine Gibson Les Paul. Auf dem Koffer stand “Garantiert MIDI-frei”. Das sagte alles über mein Verhältnis zu Computern aus. Meine Ausbildung zum Toningenieur an der SAE änderte dies grundlegend. Zu der Zeit war zwar noch das grosse Analogmischpult inklusive 24-Spur Bandmaschine das Maß aller Dinge, aber es gab einen Audioschnittplatz mit frühen Power-PC Macs, auf denen Pro Tools, ein Mehrspur-Audioprogramm, lief. Von Beginn an war ich begeistert über die Möglichkeiten. Dieses völlig freie Hantieren mit Tonschnipseln am Rechner. Das war mein Ding.
Von Steve Jobs hörte ich zum ersten Mal kurz nach meiner bestandenen Abschlussprüfung. Einige Supervisor liefen fast jubelnd in der SAE umher und riefen – wirklich “riefen” – “Steve Jobs ist zurück bei Apple”. Andere fingen über beide Ohren an zu grinsen. “Jetzt geht´s aufwärts”. Totale Euphorie, schon damals. Mir sagte das allerdings überhaupt nichts. Wer zum Teufel war Steve Jobs?
Das kümmerte mich auch nicht weiter, da ich mit meiner Selbstständigkeit als Toningenieur beschäftigt war. Begonnen habe ich mit einem Windows PC. Macs kosteten halt richtig Kohle. Kulturschock. Ich hatte mich so an die Macs in der SAE gewöhnt hatte, dass ich der Meinung war, alle PCs funktionieren so – taten sie aber nicht. Dann kauft Apple die Firma Emagic und damit mein damaliges Standardprogramm “Logic Audio”. Und das erste was Apple tat, war das Einstampfen der Windows Version von Logic. Autsch.
Ich hatte keine Lust , mit einem anderen Programm als Logic zu arbeiten. Also wechselte ich zum Mac. Dieser Wechsel bestand aus einem Dual Power Mac G4 533. Damals der schnellste Mac für die Audiobearbeitung unter Logic, da Logic beide Prozessoren des Macs nutzen konnte. Ich hatte eine Höllenmaschine und 6000 DM weniger auf dem Konto.
Mein neuer Mac hatte Mac OS 9 und das damals gerade erschienene Mac OS X. Mac OS 9 war das Arbeitssystem, aber ich spielte auch Mac OS X drauf um es mir anzusehen. Nach dem ersten Hochfahren des Macs in Mac OS X hat’s mir die Socken ausgezogen. Geile Optik, einfache Bedienerführung, richtiges Multitasking. Jeder Reboot nach Mac OS 9 war deprimierend, da es sich nach der Rumspielerei in Mac OS X – sagen wir – etwas altbacken anfühlte.
Damals fing ich an, mich intensiver mit Apple, dem Mac und dem ganzen Drumherum zu beschäftigen, weil ich merkte: Hier ticken die Uhren anders. Der Mac und seine User sind anders. Apple ist anders.
Steve Jobs hat wahrscheinlich kein einziges Produkt im klassischen Sinne entwickelt, kein Design entworfen und keine Zeile Code geschrieben; aber er hatte Ideen und gab die Richtung vor. Er konnte Teams zusammenstellen und Leute motivieren. Er sah die losen Enden und wusste wo sie zusammengebunden werden mussten.
Und weil er das wusste und tat, was er tat, habe ich seit über 10 Jahren das Vergnügen mit dem Mac mein Geld zu verdienen. Zwar nicht mehr als Toningenieur, sondern als Fotograf und Mactrainer, aber das ist letztlich egal. Ohne Steve Jobs wäre das bei mir wahrscheinlich alles anders verlaufen. In diesem Sinne – Thank you, Steve.