Posts tagged “Apple

SJ 1955-2011

Ich bin recht spät zum Computer gekommen. Den Mac habe ich zum ersten Mal gesehen, als ich mein Studium zum Toningenieur an der SAE begann. Davor war ich Gitarrist in einer Heavy Metal Band. In meinem Gitarrenkoffer lag eine Gibson Les Paul. Auf dem Koffer stand “Garantiert MIDI-frei”. Das sagte alles über mein Verhältnis zu Computern aus. Meine Ausbildung zum Toningenieur an der SAE änderte dies grundlegend. Zu der Zeit war zwar noch das grosse Analogmischpult inklusive 24-Spur Bandmaschine das Maß aller Dinge, aber es gab einen Audioschnittplatz mit frühen Power-PC Macs, auf denen Pro Tools, ein Mehrspur-Audioprogramm, lief. Von Beginn an war ich begeistert über die Möglichkeiten. Dieses völlig freie Hantieren mit Tonschnipseln am Rechner. Das war mein Ding.

Von Steve Jobs hörte ich zum ersten Mal kurz nach meiner bestandenen Abschlussprüfung. Einige Supervisor liefen fast jubelnd in der SAE umher und riefen – wirklich “riefen” – “Steve Jobs ist zurück bei Apple”. Andere fingen über beide Ohren an zu grinsen. “Jetzt geht´s aufwärts”. Totale Euphorie, schon damals. Mir sagte das allerdings überhaupt nichts. Wer zum Teufel war Steve Jobs?

Das kümmerte mich auch nicht weiter, da ich mit meiner Selbstständigkeit als Toningenieur beschäftigt war. Begonnen habe ich mit einem Windows PC. Macs kosteten halt richtig Kohle. Kulturschock. Ich hatte mich so an die Macs in der SAE gewöhnt hatte, dass ich der Meinung war, alle PCs funktionieren so – taten sie aber nicht. Dann kauft Apple die Firma Emagic und damit mein damaliges Standardprogramm “Logic Audio”. Und das erste was Apple tat, war das Einstampfen der Windows Version von Logic. Autsch.

Ich hatte keine Lust , mit einem anderen Programm als Logic zu arbeiten. Also wechselte ich zum Mac. Dieser Wechsel bestand aus einem Dual Power Mac G4 533. Damals der schnellste Mac für die Audiobearbeitung unter Logic, da Logic beide Prozessoren des Macs nutzen konnte. Ich hatte eine Höllenmaschine und 6000 DM weniger auf dem Konto.

Mein neuer Mac hatte Mac OS 9 und das damals gerade erschienene Mac OS X. Mac OS 9 war das Arbeitssystem, aber ich spielte auch Mac OS X drauf um es mir anzusehen. Nach dem ersten Hochfahren des Macs in Mac OS X hat’s mir die Socken ausgezogen. Geile Optik, einfache Bedienerführung, richtiges Multitasking. Jeder Reboot nach Mac OS 9 war deprimierend, da es sich nach der Rumspielerei in Mac OS X – sagen wir – etwas altbacken anfühlte.

Damals fing ich an, mich intensiver mit Apple, dem Mac und dem ganzen Drumherum zu beschäftigen, weil ich merkte: Hier ticken die Uhren anders. Der Mac und seine User sind anders. Apple ist anders.

Steve Jobs hat wahrscheinlich kein einziges Produkt im klassischen Sinne entwickelt, kein Design entworfen und keine Zeile Code geschrieben; aber er hatte Ideen und gab die Richtung vor. Er konnte Teams zusammenstellen und Leute motivieren. Er sah die losen Enden und wusste wo sie zusammengebunden werden mussten.

Und weil er das wusste und tat, was er tat, habe ich seit über 10 Jahren das Vergnügen mit dem Mac mein Geld zu verdienen. Zwar nicht mehr als Toningenieur, sondern als Fotograf und Mactrainer, aber das ist letztlich egal. Ohne Steve Jobs wäre das bei mir wahrscheinlich alles anders verlaufen. In diesem Sinne – Thank you, Steve.

Presse und Blogger und Steve Jobs

Ich habe mir letztens das vollständige Interview von Steve Jobs mit Walt Mossberg und Kara Swisher, welches während der D8 gegeben wurde, angesehen und musste wieder einmal feststellen, was für ein brillianter Redner Steve Jobs ist, aber seine Rhetorik doch auch recht leicht zu durchschauen ist. Doch das Publikum klatscht immer, selbst wenn Sie Ihre eigenen zukünftigen Kosten beklatschen.

Presse und Blogger

Steve Jobs liebt die Presse und hasst die Blogger – scheinbar. Ich hole mal etwas aus. Im Interview äussert sich Steve Jobs zu den Themen Blogger und Presse. Und hier läuft er in eine selbst gestellte Falle und keiner merkt´s. Vorher im Interview verglich er PC mit Lastwagen Als die Bevölkerung noch auf dem Land lebte, eine sinnvolle Sache und als sie in die Städte wanderten, brauchten die Menschen PKW. Lastwagen = PC, PKW = Touchbasierte Geräte, ergo iPad. Den Schluss, welchen er daraus zog, war, dass die Menschen, die mit PCs gross geworden sind, diesen Wechsel nicht wollen, aber er trotzdem kommen wird, etc. Das Neue kann man halt nicht aufhalten.

Wenn es allerdings um Presse geht, dann ist Steve Jobs selbst der unwillige Bewahrer, der die neuen Medien nicht will, da er auf dem iPad die ganzen etablierten Medien sehen möchte, als Gegengewicht zu den ganzen Bloggern, die er am liebsten überhaupt nicht sehen möchte.

Zitat:

I don’t want to see us descend into a nation of bloggers myself

Und das Publikum klatscht. Dabei ist letztens klar, dass Steve Jobs mit den Bloggern kein Geld verdienen kann. Mit den etablierten Medien allerdings schon, da hier Apps erstellt werden, bzw. die Inhalte kostenpflichtig gemacht werden sollen. Und wenn Geld fliesst, verdient Apple natürlich immer mit. Das wird der Grund sein, weshalb Jobs die Blogger nicht mag.

Mossberg ziert sich

Hier hätte ich mir gewünscht, dass Walt Mossberg diese Aussage aufgreift und damit ein wenig von Jobs Rhetorik entlarvt. Denn dies wäre ohne weiteres möglich gewesen und sollte von einem Journalisten zudem auch versucht werden, vor allem, da Walt Mossberg kurz zuvor noch erwähnt hat, dass er Blogger durchaus Journalisten nennt, während Steve Jobs dies offensichtlich nicht tut.

Ansonsten war das Interview recht unterhaltsam und wenn Jobs auf Fragen direkt und kurz antwortet, ist der Gute auch recht witzig. Auf die Frage, ob er sich durch den Weggang von Googles Eric Schmidt aus dem Vorstand betrogen fühlte antwortete er:

My sexlife is pretty good, How´s yours?

Köstlich!

Wer eine gute Zusammenfassung des Interviews haben möchte, sollte beim fscklog nachsehen.

Werden wir in Zukunft noch PCs nutzen?

no macs

…das war die Frage, die sich mir stellte, als ich ich Steve Jobs´s Interview mit Walt Mossberg auf der AllThingsdigital las. Insbesondere war es dieses Zitat von Jobs, welches mich aufhorchen lies.

Als wir noch eine Agrarnation waren, waren alle Autos Lastwagen – sowas brauchte man auf einem Bauernhof. Aber schließlich, als die Menschen in die Städte zogen, wurden PKWs wichtiger. PCs sind wie Lastwagen: es wird sie noch eine Weile geben, aber es findet ein Wechsel statt, der manchen Leuten nicht ganz geheuer ist. Wird das iPad der Nachfolger? Im nächsten Jahr oder in 5 Jahren?  Wer weiss?

Macverkäufe boomen

Typisch blumige Jobs Speech. Allerdings – seit Jahren taucht in schöner Regelmäßigkeit, insbesondere auf Macseiten und -foren, die Frage auf, ob Apple den Mac vernachlässige oder die Produktion irgendwann ganz einstellt. Und nach dieser Aussage von Steve Jobs vermute ich, dass er genau daran arbeitet. Insofern dürfte ihn das letzte Quartal mit fast drei Millionen verkauften Macs eher ärgern als freuen. Einige Macseiten berichteten ja schon ausführlich darüber, dass das iPad die Macverkäufe kannibalisieren wird. Das war bekanntermaßen nicht der Fall – im Gegenteil, die Anzahl der verkauften Macs nahm um 33% im Vergleich zum Vorjahresquartal zu. Das freut die Aktionäre, und was die Aktionäre freut, freut das Board von Apple.

Jobs ist zwar CEO, aber nicht Alleinherrscher bei Apple, auch wenn viele das glauben. Ein Problem hat Apple aber doch, was den Mac betrifft. Apple hat zuwenig Mitarbeiter, um das iPhone OS und OS X inkl. Apps umfassend zu betreuen. Und seit Jahren muss der Mac in dieser Hinsicht zurückstecken. OS X Weiterentwicklungen werden zurückgestuft und bis auf ein Aperture Update und ein neues MacBook Pro ist dieses Jahr auf der Macseite nicht viel veröffentlicht worden.

Das iPad ist für Consumer

Eine weitere Bemerkung von Jobs auf der AllThingsDigital war

Manche lachen mich aus, weil ich das iPad “magisch” nenne. Wir haben alles weggenommen, was zwischen dir und dem Computer steht. Die Apps, die es jetzt gibt, kratzen gerade mal an der Oberfläche.—Wenn ich einen 35-seitigen Bericht schreibe, dann brauche ich mein Bluetooth-Keyboard. Aber das passiert nicht sehr oft. Diese Maschinen werden immer besser werden und immer mehr Dinge tun können, dafür wird die Zeit sorgen: Produktivitäts-Apps, Videoschnitt und so weiter.

Schön, dass Steve Jobs die Notwendigkeit eines Keyboards noch nicht vergessen hat, aber auch wenn es bei ihm nicht oft passiert, dass das er einen 35-seitigen Bericht schreiben muss. Hunderttausende Anwender tun genau dies. Jeden Tag. Und für die ist das iPad, auch mit Tastatur, keine Alternative, da z.B. Multitasking Pflicht ist. Der Browser, die Textverarbeitung, das Mail Programm, etc.

Zum Thema Produktivitäts Apps, Videoschnitt. Steve Jobs ist ein ausgewiesener Consumer Liebhaber. Er liebt es, Neues für Consumer zu präsentieren. Insofern beziehen sich seine Aussagen zu Applikation immer auf reine Consumer Apps. Dass man Apps wie iPhoto und iMovie relativ problemlos auch auf das iPad portieren kann steht ausser Frage. Anders ist es mit Final Cut Pro, Aperture, Photoshop und Konsorten.

John Nack von Adobe hat hierzu einen sehr aufschlussreichen Artikel geschrieben. Diese Programme können einfach nicht sinnvoll auf einem vergleichsweise winzigen Display mit Fingern bedient werden. Das iPad oder dessen Nachfolger werden diese Anwendungen niemals ausführen können. Steve Jobs hasst Anschlüsse. Wenn es nach ihm geht, und das tut es meistens, dann hätte der Mac überhaupt keine Anschlüsse. Man kann also beim iPad davon ausgehen, dass es niemals einen Display Anschluss bekommen wird.

Die Zukunft?

Ich vermute, Steve Jobs wird sich irgendwann durchsetzen und die Maclinie tatsächlich einstellen oder, was ich eindeutig bevorzugen würde, OS X doch noch lizensieren, so dass es auf „normalen“ PCs laufen würde, aber ich denke, dass wird wohl eher Wunschdenken bleiben. Steve Jobs ist ein Visionär und gefällt sich offenbar in der Rolle. Das heisst, wenn er will, dass der PC verschwindet, wird es alles tun, damit das auch passiert. Wahrscheinlich wird zuerst der MacPro eingestellt und nach und nach die Laptops. Wann das alles passieren wird weiss ich nicht. Das kann sicher noch etliche Jahre dauern, aber dass es passiert, dessen bin ich mir ziemlich sicher. Ich glaube allerdings nicht, dass PCs so schnell verschwinden werden. Passend hierzu eine Aussage von Steve Ballmer, CEO von Microsoft.

Menschen werden PCs in immer größerer Zahl in den kommenden Jahren nutzen. Alles, was die Menschen heute mit einem PC tun, werden sie auch morgen noch tun wollen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die ganze Welt fünf Geräte pro Person leisten kann.Das ist eine Blase.“

Fazit

Der PC wird sich verändern, keine Frage, aber aussterben wird er so schnell nicht, aber es kann sein, dass Apple diesen Markt nicht mehr bedienen wird. Was das für den Mac und seine Anwendungen bedeuten wird, wird man sehen. Es gibt sicher viele Anwendungen, die genauso gut auf einem Gerät wie dem iPad bedient werden können. Was die anderen Anwendungen betrifft – Nun, man wir sehen. Wir leben – wieder einmal – in einer Zeit des Umbruchs. Schauen wir mal, wohin das führt.

"Objectified"

Gary Hustwit, der Produzent und Regisseur, der 2007 den Film Helvetica gemacht hat, produziert zur Zeit einen neuen Film mit dem Titel Objectified. Helvetica hatte die Schrift mit selbigen Namen, Graphic Design und die universelle Sichtweise auf diese Dinge zum Thema. Bei Objectified geht es diemal um das industrielle Design. Das bei so einem Thema „Apple” nicht fehlen darf, ist klar. Gary Hustwit hat es für diesen Film geschafft in die Designzentrale von Apple vorzudringen und dort Apple´s Hausdesigner Jonathan Ive zu interviewen. Da darf man auf den Film gespannt sein.